»Die öffentlichen Interessen schützen«
Interview
Ein privater Investor baut das Zentrum von Steilshoop um. Mit verbindlichen Vorgaben will die Stadt sicherstellen, dass die Nahversorgung und die Arztpraxen erhalten bleiben. Bezirksamtsleiter Thomas Ritzenhoff spricht über Einflussmöglichkeiten der Politik und die Zukunft des Stadtteils.
Die Stadt hat eine Sanierungsvereinbarung zur Neugestaltung des Einkaufszentrums und des Ärztehauses in Steilshoop abgeschlossen. Warum war das nötig?
Ritzenhoff: Der Zustand des Zentrums von Steilshoop ist in den vergangenen Jahrzehnten immer schlechter geworden. Die Gebäude haben eine wichtige Funktion für die Nahversorgung des Stadtteils, doch der vorherige Investor hatte offenbar das Interesse daran verloren. Das war für die Bewohnerinnen und Bewohner nicht hinnehmbar. Als bekannt wurde, dass ein neuer Investor die Gebäude übernimmt, haben wir gesagt: Wir definieren das Zentrum Steilshoops als Sanierungsgebiet, um die öffentlichen Interessen zu schützen und Einfluss auf die Entwicklung zu bekommen. Es gab einen städtebaulichen Wettbewerb. Die Sanierungsvereinbarung der Stadt mit dem Investor ist ein weiterer wichtiger Meilenstein auf dem Weg zur Realisierung des neuen Zentrums.
Wie liefen die Verhandlungen?
Ritzenhoff: Wir haben versucht, die unterschiedlichen Interessen zusammenzubringen. Der Investor hat Interesse an einem Bebauungsplan – und ist auf Genehmigungen der Stadt angewiesen. Die Bevölkerung und die Stadt haben ein Interesse daran, die Voraussetzungen für die Nahversorgung im Einkaufszentrum und die Gesundheitsversorgung zu sichern. Das zu verhandeln, war ein langer Prozess.
Der Vertrag schreibt detailliert fest, welche Flächen im Einkaufszentrum für den Einzelhandel entstehen sollen. Auch für die ärztliche Versorgung gibt es eine genaue Planung: unter anderem 200 Quadratmeter für die Kinderarztpraxis, 300 Quadratmeter für eine allgemeinmedizinische Praxis, 500 Quadratmeter für eine internistische Praxis, 200 Quadratmeter für eine gynäkologische Praxis. Wie haben Sie das kalkuliert?
Ritzenhoff: Wir wollten sicherstellen, dass genug Flächen für die ärztliche Versorgung zur Verfügung stehen. Ob die Ärztinnen und Ärzte, die derzeit in Steilshoop praktizieren, das Angebot annehmen, bleibt natürlich ihnen überlassen. Wir versuchen, die Entwicklung durch konstruktive Gespräche zu begleiten.
Wo sollen die im Ärztehaus vorhandenen Praxen während der Bauphase arbeiten?
Ritzenhoff: Der Investor hat zugesagt, den Ärztinnen und Ärzten für den Übergang geeignete Ersatzflächen in einem abgetrennten Teil des vorhandenen Einkaufszentrums zur Verfügung zu stellen. Diese Räume müssen natürlich den gesetzlichen Standards entsprechen und werden behördlich abgenommen. Die Kosten für den Umzug in die Ersatzflächen und später für den Umzug in die Räume des neuen Einkaufszentrums übernimmt der Investor.
Was geschieht, wenn der Investor die vertraglichen Vorgaben nicht einhält oder die Gebäude weiterverkauft?
Ritzenhoff: Ich habe überhaupt keinen Zweifel daran, dass der Investor den Weg mit uns gemeinsam gehen will und die Verpflichtungen einhält. Aber uns war klar: Wir haben nicht mehr so viele Chancen, das Einkaufszentrum auf die richtige Spur zu bringen. Deshalb ist die Nicht-Einhaltung der Verpflichtungen mit harten Sanktionen belegt. Ein neuer Eigentümer müsste die Verpflichtungen übernehmen. Und die Stadt hat ein Vorkaufsrecht. Das ist das schärfste Schwert, das uns zur Verfügung steht.
Wie schätzen Sie die medizinische Versorgung in Steilshoop ein?
Ritzenhoff: Es gibt einen erheblichen Bedarf an ärztlicher Versorgung vor Ort. Wir sind gut beraten, die vorhandenen Praxen vor Ort zu halten. Und wir sollten versuchen, weitere Praxen für Steilshoop zu gewinnen. Am Ende ist das aber immer die Entscheidung der Ärztinnen und Ärzte – und des Zulassungsausschusses. Wir können nur die Rahmenbedingungen schaffen und dafür sorgen, dass Flächen bereitstehen.
Ist es denn sinnvoll, die Versorgung auf das Zentrum zu konzentrieren? Viele der Gebäude außerhalb des Zentrums sind im Besitz privater Unternehmen. Einige gehören Genossenschaften, andere der SAGA. Könnten Sie nicht die SAGA bitten, Räume für Arztpraxen zur Verfügung zu stellen, um die Abhängigkeit von einem Groß-Investor zu verringern?
Ritzenhoff: Zum städtebaulichen Konzept Steilshoops gehört ja, die Nahversorgungseinrichtungen an einer zentralen Stelle zu konzentrieren: kurze Wege, barrierefrei, modern eingerichtet. Aber natürlich: Wenn freie Gewerbe- oder Praxisräume vorhanden sind, kann jeder sie anbieten. Das ist Sache der Eigentümer.
Haben Sie keinen Einfluss auf die SAGA?
Ritzenhoff: Wir haben keinen direkten Zugriff auf die Gebäude der SAGA. Und ich fürchte, dass außerhalb des Zentrums tatsächlich nur wenige freie Gewerbe- oder Praxisräume zur Verfügung stehen.
Ursprünglich war ein von der Stadt gefördertes lokales Gesundheitszentrum in Steilshoop geplant. Warum hat das nicht geklappt?
Ritzenhoff: Tatsächlich hat Hamburg vor einiger Zeit lokale Gesundheitszentren ausgeschrieben. Grundvoraussetzung für eine solche Einrichtung ist die Kooperation mit Ärztinnen und Ärzten. Doch in Wandsbek hat sich niemand gemeldet. Wenn eine zusätzliche Praxis oder ein MVZ nach Steilshoop kommen würde, könnte das wieder Bewegung in die Sache bringen. Wir würden mit dem Investor sprechen, damit er Räumlichkeiten zur Verfügung stellt. Und wir könnten nochmal mit der Gesundheitsbehörde ins Gespräch gehen und darüber verhandeln, ob sie Wandsbek nicht doch finanziell unterstützt.
Wie wird sich Steilshoop als Stadtteil entwickeln?
Ritzenhoff:
Die nächste Zeit wird hart. Momentan wird ja die U-Bahn gebaut. Dann kommt noch die Baustelle für die Sanierung der zentralen Gebäude hinzu. Das wird ein beschwerlicher Weg. Doch es ist schon viel passiert in Steilshoop: Wir haben eine neue Schule gebaut, die Sporthalle wurde saniert. Wir bauen einen neuen Fußballplatz. Wir haben funktionierende Sportvereine, ein funktionierendes Quartierszentrum, engagierte Selbstinitiativen. Trotz der Herausforderungen ist Steilshoop ein attraktiver Stadtteil. Und nach der Sanierung werden wir in Steilshoop einen U-Bahn-Anschluss und ein modernes Zentrum mit hoher Aufenthaltsqualität haben. Wir setzen all unsere Kräfte daran, die Sanierung des Stadtteils zu einem guten Abschluss zu bringen.
Interview: Martin Niggeschmidt