KV Hamburg schließt kinderärztliche Eigeneinrichtung in Rahlstedt
Die Praxis arbeitete nie kostendeckend. Trotz eines Gutachtens, das Chancen für einen Neustart sah, entschied die Vertreterversammlung nun für die Schließung – mit Verweis auf Honorareinbußen durch das GKV-Spargesetz.
Die KV Hamburg schließt ihre pädiatrische Praxis in Rahlstedt zum Ende des Jahres. Das entschied die Vertreterversammlung auf ihrer Sitzung am 20. Mai 2026.
Die Eigeneinrichtung war Anfang 2024 eröffnet worden, um die kinderärztliche Versorgung im Hamburger Osten zu ergänzen.
„Es tut uns sehr leid, die Praxis schließen zu müssen“, so Dr. Michael Reusch, der Vorsitzende der Vertreterversammlung, in einer Pressemitteilung. Ausschlaggebend für die Entscheidung des Gremiums sei gewesen, dass die Praxis nie wirtschaftlich gearbeitet habe. „Es ist bisher nicht annähernd gelungen, die Kosten und die Einnahmen der Praxis in Ausgleich zu bringen. Dadurch hätten die Vertragsärzt:innen und Vertragspsychotherapeut:innen jährlich ein Defizit von bis zu 200.000 Euro tragen müssen.
Ein ebenso gewichtiger Grund sei die derzeitige Gesetzgebung, so Reusch. „Das geplante GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz entzieht den Praxen erhebliche Honorarvolumina. Angesichts dieser Entwicklung, die den wirtschaftlichen Druck auf die KV-Mitglieder erhöht, ist der Weiterbetrieb einer hochgradig defizitären Praxis schlichtweg nicht mehr zu rechtfertigen.“
Im Vorfeld der Entscheidung hatte die KV einen erfahrenen Kinderarzt damit beauftragt, die wirtschaftliche Struktur der Eigeneinrichtung zu prüfen. Ergebnis: Ein kostendeckender Betrieb sei grundsätzlich möglich. Voraussetzung dafür wäre allerdings, eine zweite Ärztin und eine dritte MFA anzustellen – und die Patientenzahlen zu verdoppeln. Zudem sei ein kommunikativer Neustart nötig: Die Praxis müsse mit der Botschaft nach außen gehen, dass am Standort eine verlässliche kinderärztliche Versorgung angeboten werde.
„Derzeit arbeitet die Eigeneinrichtung mit einer ärztlichen 60-Prozent-Stelle“, erläuterte Caroline Roos, stellvertretende KV-Hamburg-Vorstandsvorsitzende, der Vertreterversammlung. Bei Krankheit, Urlaub oder Fortbildungen habe die Praxis schließen müssen. Auch die regulären Öffnungszeiten an nur vier Vormittagen pro Woche seien nicht auskömmlich für eine verlässliche kinderärztliche Versorgung.
„Die Argumente des erfahrenen Kinderarztes haben wir gewürdigt“, sagte der Sprecher des Finanzausschusses, Dr. Andreas Bollkämper. „Wir waren enttäuscht darüber, dass man nicht mit so einem Konzept gleich begonnen hat. Die Risiken bleiben aber bestehen. Letztlich haben wir gesagt: Die Bedenken bezüglich einer zeitnahen Realisierbarkeit des Personalaufbaus überwiegen.“
Der Finanzausschuss empfahl deshalb die Schließung der Eigeneinrichtung – und die Vertreterversammlung folgte dem Vorschlag einstimmig.
„In Anbetracht der Tatsache, dass unsere Honorare durch das Beitragssatzstabilisierungsgesetz massiv gekürzt werden sollen, ist die Schließung der Eigeneinrichtung auch ein Signal nach außen“, sagte Vertreterversammlungs-Mitglied Dr. Torsten Hemker. „Wir haben kein Geld mehr, um Wohltaten zu verteilen.“
„Die Fallzahlen in der Eigeneinrichtung sind insgesamt übersichtlich – und im Vergleich mit inhabergeführten Kinderarztpraxen sehr unterdurchschnittlich“, so John Afful, Vorstandsvorsitzender der KV Hamburg. „Dennoch ist uns natürlich bewusst, dass für die Kinder, die in der Eigeneinrichtung versorgt werden, nun eine andere Versorgungslösung gefunden werden muss.“ Die KV Hamburg werde daher in den nächsten Monaten die umliegenden kinderärztlichen Praxen kontaktieren und eine Übernahme der Patient:innen anbahnen.