Leserbrief
zur Kolumne "Die Demogorgons vom MDK" von Dr. Christine Löber
Überbordender Kontrollapparat
Ihre Kolumne zum wertschätzenden Umgang mit den Leistungen des Medizinischen Dienstes (MD) ist lobenswert, sie geht aber am Kernproblem vorbei.
Die Mitarbeiter des MD mögen mit den ihnen übertragenen Aufgaben gute Arbeit machen. Aber das ständige Kontrollieren, Prüfen und Hinterfragen selbst geringfügiger therapeutischer Maßnahmen und Entscheidungen läuft dem Gebot der Wirtschaftlichkeit und Zweckmäßigkeit zunehmend zuwider.
Durch den Anspruch, selbst kleine Fehler und Missstände unter allen Umständen aufspüren und beseitigen zu wollen, wird ein nicht mehr zu verantwortendes Maß an Arbeitskraft, Zeit und Geld verschwendet. Wir können uns einen solch überbordenden Kontrollapparat mit einem solchen Absolutheitsanspruch nicht mehr leisten.
Weder hat der MD ausreichend Personal, um dieses Ideal eines optimal funktionierenden und bezahlbaren Gesundheitswesens durchzusetzen, noch haben wir genug Ärzte, Therapeuten und Pflegekräfte, um diesen Ansprüchen zu genügen.
Das Leitprinzip, dass die Akteure im Gesundheitswesen nach bestem Wissen und Gewissen handeln sollen, wird mit immer mehr Misstrauen belegt und einzig dem Primat der Wirtschaftlichkeit und Zweckmäßigkeit untergeordnet. Bei den Ärzten, Therapeuten und Pflegekräften führt das zu wachsender Frustration und Resignation, was die Qualität der Versorgung im Gesundheitswesen zunehmend beeinträchtigt.
Verantwortungsvolles Handeln im Gesundheitswesen sollte angesichts knapper Ressourcen in erster Linie bedeuten die gesetzliche Überregulierung abzubauen, Kontrollen des MD auf ein angemessenes Maß zurückzufahren und wieder mehr Vertrauen in ärztliches, therapeutisches und pflegerisches Handeln zu setzen. Derzeit findet das Gegenteil statt.
Dr. Mathias Dworschak
ist Facharzt für Neurologie und Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie in Winterhude