Falsche Reihenfolge
Editorial
Das Spargesetz ist, so hört man, nur ein Mosaikstein in einem größeren gesundheitspolitischen Reformprojekt. Dazu gehören die Einführung eines Primärarztsystems, eine Notfallreform und ein weiteres Digitalisierungsgesetz. Dass daraus am Ende ein stimmiges Gesamtbild entsteht, bezweifle ich.
Mit einem Spargesetz zu beginnen, war die falsche Entscheidung. Noch ist unklar, wann die geplanten Strukturreformen umgesetzt werden. Sicher ist nur: Bis dahin wird vieles beschädigt sein, was für die neuen Versorgungsstrukturen gebraucht wird.
Um das Gesundheitssystem zukunftsfähig zu machen, brauchen wir eine konsequente Ambulantisierung und eine bessere Patientensteuerung. Wir brauchen eine starke ambulante Versorgung. Doch genau die wird jetzt abgebaut oder zumindest eingegrenzt.
Sehr viel sinnvoller wäre eine andere Reihenfolge gewesen: Man hätte die Strukturreformen an den Anfang stellen und überlegen sollen, wie die Versorgungsebenen finanziell ausgestattet werden müssen, um das Gesamt-Gesundheitssystem effektiver und günstiger zu machen: Wo müssen wir investieren? Wo kann gespart werden? Ich bin überzeugt: Hätte man dieses Vorgehen gewählt, wäre niemand auf die Idee gekommen, ausgerechnet der ambulanten Versorgung Geld zu entziehen.
John Afful,
Vorsitzender der KV Hamburg
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